Diabetes mellitus ist eine so genannte endokrine Störung der Bauchspeicheldrüse.
Endokrin bedeutet, dass die Bauchspeicheldrüse die von ihr produzierten Hormone ins Blut abgibt, welches die Hormone dann zu ihren Zielorten leitet.
Bei Diabetes mellitus ist der Glukosestoffwechsel gestört, was mit erhöhten Blutzuckerwerten einhergeht - Hyperglykämie.
Symptome und Beschwerden
- Polyurie – vermehrtes Wasserlassen
- Starker Durst, bedingt durch den Wasserverlust
- Schwächegefühl
- Abgeschlagenheit
- Appetitlosigkeit
- Gewichtsverlust
- Heißhungerattacken
- Müdigkeit und Leistungsschwäche
- Sehstörungen
- Azetongeruch – Geruch von Nagellackentferner
Der Diabetes mellitus Typ II tritt im Regelfall gemeinsam mit dem metabolischen Syndrom auf, wobei dieses zunächst mehrere Jahre – circa 4-7 Jahre – symptomarm verläuft und der Diabetes erst durch das Auftreten von Folgeerkrankungen – siehe unten – erkannt wird.
Der Vollständigkeit halber soll hier auch kurz der Diabetes mellitus Typ I mit aufgeführt werden: Bei einem Diabetes mellitus Typ I treten in der Regel erst dann Symptome auf, wenn bereits etwa 80 % der B-Zellen zerstört sind. Daher wird die Erkrankung mitunter erst spät erkannt.
Insulinproduktion und -Sekretion
Die Zellen der Bauchspeicheldrüse liegen zu Inseln angeordnet, den so genannten Langerhans-Inseln.
Eine Zellart in den Langerhans-Inseln sind die B-Zellen.
Diese Zellen produzieren Insulin.
Insulin ist dafür verantwortlich, die Aufnahme von Glukose aus dem Blut zu fördern. Außerdem sorgt es für die Umwandlung der Glukose in Glykogen, welches eine wichtige Speicherform für Glukose darstellt. In dieser Form kann die Glukose in der Leber und unseren Muskeln gelagert werden, ohne den Blutzuckerspiegel zu erhöhen.
Somit sorgt Insulin dafür, dass der Blutzuckerspiegel konstant bleibt.
Eine weitere Zellart sind die A-Zellen.
Sie stellen Glukagon her. Dieser Stoff stimuliert ganz bestimmte Enzyme dazu, Glykogen wieder in Glukose umzuwandeln.
Somit wird der Blutzuckerspiegel erhöht.
Das Insulin der B-Zellen und das Glukagon der A-Zellen wirken somit antagonistisch, das heißt gegensätzlich.
Im Folgenden soll im Besonderen der Typ II Diabetes ausführlich behandelt werden, da dieser eine typische Alterungserkrankung darstellt.
Risikofaktoren
Risikofaktoren für Diabetes mellitus Typ II sind
Biographische – unveränderbare – Risikofaktoren
- Genetische Belastungen durch Eltern, Großeltern.
Ist ein Elternteil an Typ-II Diabetes erkrankt, werden die Kinder zu 25-50 Prozent ebenfalls erkranken, wenn beide Eltern Typ-II Diabetiker sind, erhöht sich das Risiko auf 60 Prozent - Alter – mit zunehmendem Alter sinkt die körpereigene Insulinproduktion
Modifizierbare – durch das Verhalten veränderbare – Risikofaktoren
Behandelbare Risikofaktoren – Erkrankungen
- Adipositas – hyperkalorische, fettreiche Mahlzeiten
Schutzfaktor
Eine prospektive Beobachtungsstudie im amerikanischen Ärzteblatt kam zu dem Ergebnis, dass Mütter, die zwei Kinder jeweils über ein Jahr gestillt haben, zu einem Drittel seltener an einem Diabetes mellitus Typ II erkranken (Alison M. Stuebe et al: Duration of Lactation and Incidence of Type 2 Diabetes. JAMA. 2005;294:2601-2610).Dieses Ergebnis deckt sich mit früheren Studien, die nachgewiesen haben, dass die Laktation die Insulinsensitivität verbessert, was möglicherweise mit dem erhöhten Energieverbrauch – circa 500 Kalorien/die – während der Laktationsphase zusammenhängt.
Diabetes mellitus Typ II
Der Diabetes mellitus Typ II tritt im Regelfall gemeinsam mit dem metabolischen Syndrom auf, wobei dieses zunächst mehrere Jahre – circa 4-7 Jahre – symptomarm verläuft und der Diabetes erst durch das Auftreten von Folgeerkrankungen – siehe unten – erkannt wird.
Ursachen
Die Ursachen des Diabetes mellitus Typ II sind schon lange bekannt.
Sie beruhen im Wesentlichen auf falschem Verhalten
- Essen von hyperkalorischen, fettreichen Mahlzeiten
- Bewegungsmangel
Weitere Faktoren sind
- Reduzierter Grundumsatz – bei gleichem Essverhalten und somit positive Energiebilanz (= Gewichtzunahme)
- Verminderte Thermogenese im Alter
- Abnahme der funktionellen Reservekapazität der Organsystem im Alter
- Schlechtere Resorptionsleistung des Darms
- Verminderte endo- und exokrine Pankreasfunktion
Folge der oben genannten Faktoren ist die Zunahme des abdominellen Fettgewebes.
Nachfolgend die Darstellung der Pathogenese – Krankheitsgeschichte– des Diabes mellitus und seine Bedeutung für die Alterungsprozesse. Dazu Ausführungen über das Fettgewebe als endokrines Organ.
Das Fettgewebe als endokrines Organ
Das Fettgewebe ist nicht nur Speicher von Lipiden – Triglyzeriden – sondern ein metabolisch aktives, endokrines Organ.
Die Adipozyten – Fettgewebszellen – sezernieren Mediatoren
- Leptin
- Adiponektin
- Resistin
- Angiotensin II
- Plasminogenaktivator-Inhibitor I (PAI 1)
- Tumornekrose-Faktor (TNF-Alpha)
- Interleukine (IL-1, -4, -6, -8, -18)
- Prostaglandine
Leptin
Man vermutet, dass das Hormon Leptin durch den Anstieg von Insulin nach einer Mahlzeit freigesetzt wird: Leptin signalisiert die stattgefundene Nahrungsaufnahme, stimuliert dadurch unter anderem die Ausschüttung von Serotonin und löst das Gefühl der Sättigung aus. Dieses erklärt weshalb eine defekte Leptin-Signalkette – beispielsweise wegen unzureichender Sekretion von Leptin oder eines defekten Leptin-Rezeptors – Leptinresistenz – zur Adipositas führt.
Adiponektin
Adiponektin erhöht die Insulinsensitivität in der Muskulatur, sodass die Aufnahme und Verwertung von Fettsäuren erleichtert ist.
Erniedrigte Adiponektin-Konzentrationen führen zur Hemmung der Oxidation von Fettsäuren und sind assoziiert mit Insulinresistenz und metabolischen Syndrom sowie der Atherosklerose.
Angiotensin II
Angiotensin II wirkt stark vasokonstriktorisch – Gefäß-zusammenziehend – und fördert die Bildung von Aldosteron – einem Mineralokortikoid, das zur Natrium- und Wasserretention führt. Des Weiteren fördert Angiotensin II oxidativen Stress, aktiviert den Sympathikus (Freisetzung von Noradrenalin) und führt so zum Hypertonus (Bluthochdruck).
Plasminogenaktivator-Inhibitor I (PAI 1)
Die vermehrte Sekretion von Plasminogenaktivator-Inhibitor I (PAI 1) kann zu Koagulationsstörungen und in Folge dessen zu Thromboembolien führen.
Tumornekrose-Faktor (TNF-Alpha), IL-6 und andere Zytokine
Die vermehrte Sekretion von Tumornekrose-Faktor (TNF-Alpha), IL-6 und andere Zytokinen führt zur Insulinresistenz, zum Diabetes mellitus Typ II, zu chronischen Inflammation, das heißt zu chronischen Entzündungen, und in Folge dessen zur Atherosklerose.
Alterung durch Diabetes mellitus Typ II
Diabetes mellitus und Adipositas gemeinsam führen – wie oben ausgeführt bedingt durch Insulinresistenz, oxidativen Stress und Inflammation – zu einem erhöhten Risiko für Atherosklerose sowie zu einem erhöhtem Risiko für Hypertonus (Bluthochdruck), Koronare Herzkrankheit (KHK) mit der möglichen Folge eines Myocardinfarkts (Herzinfarkt) sowie zu einer zerebrovaskulären Insuffizienz, mit der möglichen Folge eines Apoplex (Schlaganfall).
Ein weiterer Alterungsmechanismus, der unter Diabetes mellitus von Bedeutung die gesteigerte Glycierung von Proteinen und Lipiden. Die Glycierung ist ein chemischer Prozess zwischen Eiweiß und Zucker, der zu den so genannten Advanced glycation endproducts (AGEs) führt. Diese Endprodukte werden für die Funktionsveränderungen des Endothels verantwortlich gemacht, die wiederum die Diabetes-bedingten Folgeerkrankungen erklären.
AGS tragen zudem zur Freisetzung freier Radikale bei und bedingen somit auch oxidativen Stress.
Abschließend kurz die Darstellung der Ursachen des Diabetes mellitus Typ I:
Diabetes mellitus Typ I
Ursachen
Es kommt zur Zerstörung der wichtigen B-Zellen.
Diese Zerstörung kann idiopathisch – also ohne erkennbare Ursache – auftreten.
Eine weitere Möglichkeit ist die immunologische Zerstörung der B-Zellen.
Dies bedeutet, dass Auto-Antikörper die B-Zellen zerstören. Normalerweise greifen Antikörper nur körperfremde Zellen an. Bei Auto-Immunerkrankungen werden jedoch auch körpereigene Zellen zerstört.
Sind die B-Zellen beschädigt, wird zu wenig Insulin hergestellt. Die Überführung der Glukose in Ihre Speicherform, das Glykogen, ist vermindert. Dadurch ist der Blutzuckerspiegel erhöht.
Bei beschädigten B-Zellen ist bereits eine gestörte Glukosetoleranz anhand der Glukose-Serumspiegel (Blutzuckerwerte) erkennbar.
Bei vollständiger Zerstörung der B-Zellen tritt ein absoluter Insulinmangel auf. Der Glukose-Serumspiegel ist deutlich erhöht, sowohl in nüchternem Zustand als auch nach Gabe von Glukose.
Der Körper ist aufgrund des Fehlens von Insulin nicht mehr in der Lage, die Glukose umzuwandeln und in der Leber und den Muskeln zu speichern.
Ist dieses der Fall, spricht man von einem Diabetes mellitus Typ 1.
Folgeerkrankungen
Die nachfolgend aufgeführten Folgeerkrankungen belegen die Bedeutung des Diabetes mellitus als Alterungserkrankung.
Diabetische Mikroangiopathie – erhöhte Durchlässigkeit der Gefäßwände kleiner Blutgefäße, führt zu
- Durchblutungsstörungen der Netzhaut des Auges – Sehstörungen bis hin zur Erblindung
- Diabetische Nephropathie – führt zu Nierenschädigungen – chronisches Nierenversagen, was eine Dialyse – Blutwäsche – nötig macht und zu Hypertonus (Bluthochdruck)
- Diabetische Neuropathie – Nervenschädigungen mit Störungen der Sensibilität und des Temperaturempfindens
- Störung der Durchblutung – diabetischer Fuß, mitunter Amputationen
- Störung der Wundheilung
- Diabetische Makroangiopathie – erhöhte Durchlässigkeit der Gefäßwände großer Blutgefäße, führt zu
- Atherosklerose – Arterienverkalkung – mit erhöhtem Risiko für Hypertonus (Bluthochdruck), Koronare Herzkrankheit (KHK) mit der Folge von Myocardinfarkt (Herzinfarkt) oder Apoplex (Schlaganfall)
Achtung!
Diabetes mellitus gilt als unabhängiger Risikofaktor für den Apoplex (Schlaganfall).
Weitere Folgeerkrankungen
- Störungen der Libido - Störungen des sexuellen Verlangens
- Erektionsstörungen des Mannes
-
Ein hoher Nüchtern-Blutzucker war laut den Ergebnissen einer großen prospektiven Kohorten-Studie in Korea mit einem erhöhten Krebsrisiko verbunden - Männer hatten ein um 27 % und Frauen ein um 31 % erhöhtes Risiko, an Krebs zu sterben.
Dabei waren die wichtigsten assoziierten Krebsarten das Pankreaskarzinom, Leberkrebs, Speiseröhrenkrebs, Kolonkarzinom und auch das Cervixkarzinom der Frau [1]
Literatur
-
Jee SH, Ohrr H, Sull JW, Yun JE, Ji M, Samet JM.
Fasting serum glucose level and cancer risk in Korean men and women.
JAMA. 2005 Jan 12;293(2):194-202.
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