Als Morbus Alzheimer wird eine primär degenerative Hirnerkrankung bezeichnet, die mit progredienter Demenz einhergeht.
Die Erkrankung stellt die häufigste Form der Demenz im Alter dar. Die Erstbeschreibung der Erkrankung erfolgte 1907 bei einer 55jährigen Frau durch Prof. Alois Alzheimer.
Zumeist beginnt die Erkrankung nach dem 65. Lebensjahr - Late Onset Alzheimer´s disease (LOAD) - eher selten tritt die Frühform der Erkrankung vor dem 65. Lebensjahr auf - Early onset Alzheimer´s disease (EOAD).
Bei den über 80-jährigen sind bereits circa 20 % der Menschen von Alzheimer betroffen. In Deutschland leiden mehr als eine Million Menschen unter einer Hirnleistungsstörung, davon etwa 60 % an einer reinen Alzheimer-Demenz, pro Jahr gibt es etwa 50.000 Morbus Alzheimer-Neuerkrankungen.
Da das Durchschnittsalter der deutschen Bevölkerung immer mehr ansteigt, wird sich zukünftig zwangsläufig auch die Zahl an Alzheimer-Patienten erhöhen.
Frauen sind von der Alzheimer-Krankheit etwa doppelt so häufig betroffen wie Männer. Auch eine familiäre Häufung ist möglich. Vom Ausbrechen der Erkrankung bis zum Tod der Betroffenen vergehen durchschnittlich acht Jahre.
Symptome und Beschwerden
Die Erkrankung beginnt zumeist schleichend, mitunter stellen die Angehörigen erst Jahre nach dem eigentlichen Beginn der Alzheimer-Erkrankung Symptome fest.
Anfangs treten Veränderungen auf, die als typische Altersveränderungen angesehen werden, wie Vergesslichkeit.
Im weiteren Verlauf werden die Symptome jedoch häufiger und auffälliger. Dazu zählen unter anderem Orientierungslosigkeit, Stimmungsschwankungen und Zustände von Verwirrtheit.
Die Fähigkeit, sich selbst zu pflegen und zu versorgen, geht mit Fortschreiten der Erkrankung zunehmend verloren, so dass die Betroffenen auf intensive Betreuung und Pflege angewiesen sind.
Symptome bei Morbus Alzheimer
- Gedächtnisstörungen
- Orientierungsstörungen
- Unruhe
- Perseverationen - Sprachliches krankhaftes Verharren bei gleichen Vorstellungen, bei gleichen Denkinhalten
- Aphasie - zentrale Sprachstörung nach weitgehend abgeschlossener Sprachentwicklung
- Agnosie - Störung des Erkennens, die nicht durch Demenz, Aphasie oder Störung der elementaren Wahrnehmung verursacht ist
- Apraxie - Störung von Handlungen oder Bewegungsabläufen und Unfähigkeit, Gegenstände bei erhaltener Bewegungsfähigkeit, Motilität und Wahrnehmung sinnvoll zu verwenden
- Reizbarkeit
- Wahn
- Halluzinationen
- Depressionen
- Persönlichkeitsveränderungen
- Störungen des zeitlichen Empfindens
- Störungen des Tag-Nacht-Rhythmus
- Stimmungsschwankungen
- Appetitverlust
- Motorische Ausfälle
Biographische - unveränderbare – Risikofaktoren
- Genetische Faktoren - Verwandtschaft ersten Grades
- Alter – exponentieller Anstieg des Erkrankungsrisikos
- Hohes Alter der Mutter bei der Geburt - über 32 Jahre
- Niedriger Bildungsstand
- Hormonelle Faktoren - Mangel an Östrogen im Gehirn
Modifizierbare - durch das Verhalten veränderbare – Risikofaktoren
- Geringe körperliche Aktivität
- Ernährung - Aufnahme gesättigter oder trans-gesättigter Fette (die Fette kommen beispielsweise in Margarine vor)
- Alkoholkonsum
- schon geringer - Frauen < 20 g und Männer < 35 g pro Tag - Alkoholkonsum wirkt neurodegenerativ! - Psychosoziale Stressoren, die zu einer kognitiven Überforderung führen
Behandelbare Risikofaktoren – Erkrankungen
- Übergewicht
- Hypothyreose - Schilddrüsenunterfunktion
- Diabetes mellitus Typ II (Insulinresistenz)
- Metabolisches Syndrom [1]
- Hypertonie - Bluthochdruck
- Depression
Labordiagnosen - Laborparameter, die als unabhängige Risikofaktoren gelten
Die Ursache für Morbus Alzheimer ist unbekannt.
Diskutiert werden sowohl genetische und metabolische Störungen als auch Slow-Virus-Infektionen.
Auch toxische, infektiöse und immunologische Faktoren werden als mögliche Ursachen in Betracht gezogen.
Im Gehirn betroffener Patienten lassen sich nach dem Tode mittels Obduktion Ablagerungen bestimmter Eiweißmoleküle nachweisen - Amyloid-Plaques - die die Leistungsfähigkeit der Nerven und die Erregungsübertragung mittels Transmittern negativ beeinflussen.
In einer Studie konnte nun festgestellt werden, dass Hyperinsulinismus - zu finden bei Diabetes mellitus, Typ II - zu einem Anstieg von Beta-Amyloid im Blutplasma führt. Bei Morbus Alzheimer finden sich Ablagerungen von Amyloid im Gehirn.
Es wird daher ein Zusammenhang zwischen Hyperinsulinismus und dem späteren Auftreten von Morbus Alzheimer angenommen.
Literatur
-
Vanhanen M, Koivisto K, Moilanen L, Helkala EL, Hanninen T, Soininen H, Kervinen K, Kesaniemi YA, Laakso M, Kuusisto J.
Association of metabolic syndrome with Alzheimer disease: a population-based study.
Neurology. 2006 Sep 12;67(5):843-7.
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