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Metabolisches Syndrom

Definition

Metabolisches Syndrom - klinische Bezeichnung für die Symptomkombination Adipositas - Übergewicht, Hypertonie - Bluthochdruck, erhöhter Nüchternblutzucker und Nüchtern-Insulin-Serumspiegel (Insulinresistenz) und Fettstoffwechselstörung (erhöhte VLDL-Triglyzeride, erniedrigtes HDL-Cholesterin).

Des Weiteren ist häufig auch eine Koagulationsstörung (vermehrte Gerinnungsneigung), mit einem erhöhten Risiko für Thromboembolien nachzuweisen.

 

 

Symptome und Beschwerden

 

Symptome und Beschwerden des metabolischen Syndroms siehe unter

 

Risikofaktoren

 

Körpergewichtszunahme im Alter

Sowohl bei Männer wie bei Frauen steigt im Alter der Body-Mass-Index (BMI) - Körpermassen-Index.

Dafür werden verschiedene Risikofaktoren verantwortlich gemacht.

Biographische - unveränderbare – Risikofaktoren

  • Reduzierter Grundumsatz - bei gleichem Essverhalten und somit positive Energiebilanz (= Gewichtzunahme)
  • Verminderte Thermogenese
  • Altern von Adipozyten - das Zuviel an Kalorien im Alter führt zur Alterung der Adipozyten - diese weisen beispielsweise eine geringere Insulinsensitivität auf und die lipolytische Aktivität ist erhöht - in Folge dessen werden mehr Fettsäuren und Triglyzeride ins Blut abgegeben


Modifizierbare - durch das Verhalten veränderbare – Risikofaktoren

  • Bewegungsmangel
  • Zuviel Kalorienzufuhr im Alter – dadurch Stimulation der Leptin- und Insulinsekretion.
    Das Essverhalten bleibt im Alter gleich, obwohl der Kalorienbedarf sinkt. Diese hat zur Folge, dass die Beta-Rezeptoren Anfangs zwar stimuliert werden, aber es dann zu einer Down-Regulation kommt, sodass die kompensatorische Aktivierung des Sympathikus - ein Energieverbrauch erhöhender Mechanismus – ausbleibt


Labordiagnosen - Laborparameter, die als unabhängige Risikofaktoren gelten

  • Altersbedingte Hyperleptinämie die sich bis zur Leptinresistenz - siehe oben - entwickeln kann

 

Ursachen

 

Ursache des metabolischen Syndroms ist ein Ungleichgewicht zwischen Energieaufnahme und Energieverbrauch. Das Ergebnis ist eine positive Energiebilanz und bedeutet Gewichtszunahme und die daraus resultierenden Erkrankungen.

 

Die Adipositas kann verschiedene Ursachen haben

  • Familiäre Disposition
  • Genetische Ursachen - z.B. Prader-Willi-Syndrom, Bardet-Biedl-Syndrom, Leptinresistenz
  • Moderner Lebensstil - z.B. Fehlernährung, zu wenig Bewegung
  • Essstörungen - z.B. Binge Eating Disorder
  • Endokrine Erkrankungen - z.B. Hypothyreose, Cushing-Syndrom
  • Medikamente - z.B. einige Antidepressiva, Neuroleptika, Antidiabetika, Glukokortikoide, Betablocker
  • Sonstige Ursachen - z.B. Immobilisation, bestimmte Operationen, Schwangerschaft, Nikotinverzicht, Alkoholkonsum (Gewichtszunahme durch Alkoholaddition)
  •  Seelische Gründe - Frustration, Langeweile, Depressionen
  • Sonstige Erkrankungen - Polyzystisches Ovar-Syndrom, Hypothalamischer Symptomenkomplex
  • Beta-3-Rezeptordefekt

 

Nachfolgend die Pathogenese - Krankheitsentstehung - der Adipositas und in Folge dessen des metabolischen Syndroms.

 


Das Fettgewebe als endokrines Organ

 

Das Fettgewebe ist nicht nur Speicher von Lipiden - Triglyzeriden - sondern ein metabolisch aktives, endokrines Organ.

 

Die Adipozyten - Fettgewebszellen - sezernieren Mediatoren

 

  • Leptin
  • Adiponektin
  • Resistin
  • Angiotensin II
  • Plasminogenaktivator-Inhibitor I (PAI 1)
  • Tumornekrose-Faktor (TNF-Alpha)
  • Interleukine (IL-1, -4, -6, -8, -18)
  • Prostaglandine

Leptin

Man vermutet, dass das Hormon Leptin durch den Anstieg von Insulin nach einer Mahlzeit freigesetzt wird: Leptin signalisiert die stattgefundene Nahrungsaufnahme, stimuliert dadurch unter anderem die Ausschüttung von Serotonin und löst das Gefühl der Sättigung aus. Dieses erklärt weshalb eine defekte Leptin-Signalkette - beispielsweise wegen unzureichender Sekretion von Leptin oder eines defekten Leptin-Rezeptors - Leptinresistenz - zur Adipositas führt.

 

Adiponektin

Adiponektin erhöht die Insulinsensitivität in der Muskulatur, sodass die Aufnahme und Verwertung von Fettsäuren erleichtert ist.

Erniedrigte Adiponektin-Konzentrationen führen zur Hemmung der Oxidation von Fettsäuren und sind assoziiert mit Insulinresistenz und metabolischen Syndrom sowie der Atherosklerose.

 

Angiotensin II

Angiotensin II wirkt stark vasokonstriktorisch - Gefäß-zusammenziehend - und fördert die Bildung von Aldosteron - einem Mineralokortikoid, das zur Natrium- und Wasserretention führt. Des Weiteren fördert Angiotensin II oxidativen Stress, aktiviert den Sympathikus (Freisetzung von Noradrenalin) und führt so zum Hypertonus - Bluthochdruck.

 

Plasminogenaktivator-Inhibitor I (PAI 1)

Die vermehrte Sekretion von Plasminogenaktivator-Inhibitor I (PAI 1) kann zu Koagulationsstörungen und in Folge dessen zu Thromboembolien führen.

 

Tumornekrose-Faktor (TNF-Alpha), IL-6 und andere Zytokine

Die vermehrte Sekretion von Tumornekrose-Faktor (TNF-Alpha), IL-6 und andere Zytokinen führt zur Insulinresistenz, zum Diabetes mellitus Typ II, zu chronischen Inflammation, das heißt zu chronischen Entzündungen, und in Folge dessen zur Atherosklerose.

 


Folgen der Adipositas im Alter

 

Die oben genannten Veränderungen der Adipozyten im Alterführen zu einem überwiegen proimflammatorischer Mediatoren (Tumornekrose-Faktor (TNF-Alpha), IL-6 und andere Zytokine) mit der Folge der Zunahme der Atherosklerose (kardiovaskulären Erkrankungen) und der Entstehung des Diabetes mellitus Typ II. Des Weiteren führt die Zunahme der Sekretion von Angiotensin II zum erhöhten oxidativen Stress - einer der Ursachen von Alterung.

Auch die Zunahme von Fettsäuren - siehe oben - werden die gealterten Mitochondrien überfordert und es entstehen vermehrt reaktive Sauerstoffradikale (ROS) - mit der Folge der Zunahme des oxidativen Stresses und in Folge dessen der Zunahme von Krankheiten die mit dem oxidativen Stress assoziiert sind.

 

Das metabolische Syndrom bedingt wie keine andere Alterungserkrankung eine hochgradige Alterung. Beispielsweise führt die Insulinresistenz mit seinem erhöhten basalen Insulin-Serumspiegel zur Suppression, das heißt zur verminderten Ausscheidung des STH (Somatotropes Hormon - Wachstumshormon) - einem wichtigen Anti-Aging-Hormon - und damit zum Altern. Erhöhte Glukose-Serumspiegel gehen mit oxidativen Stress einher und bedingen so Altern.

Des Weiteren erhöht die Insulinresistenz das atherosklerotische Risikoprofil und führt zu einer Abnahme des Sexualhormon-bindenden Globulins (SHBG) sowie des Gesamt-Testosterons.

 

Folgeerkrankungen des metabolischen Syndroms sind

 

 

 

 

Literatur

  1. Vanhanen M, Koivisto K, Moilanen L, Helkala EL, Hanninen T, Soininen H, Kervinen K, Kesaniemi YA, Laakso M, Kuusisto J.
    Association of metabolic syndrome with Alzheimer disease: a population-based study.
    Neurology. 2006 Sep 12;67(5):843-7.

 

 

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