Longevity
Longevity-Medizin – evidenzbasierte Prävention für mehr gesunde Lebensjahre
Die Longevity-Medizin verfolgt das Ziel, die Gesundheitsspanne (Healthspan) zu verlängern – also die Lebensjahre, die ein Mensch bei möglichst guter körperlicher, geistiger und psychosozialer Gesundheit verbringt. Im Mittelpunkt stehen die frühzeitige Erkennung beeinflussbarer Gesundheitsrisiken, die Prävention altersassoziierter Erkrankungen sowie die langfristige Erhaltung von Leistungsfähigkeit, Selbstständigkeit und Lebensqualität.
Longevity-Medizin verbindet Präventionsmedizin, Ernährungsmedizin, Mikronährstoffmedizin, Sportmedizin, Schlafmedizin, Endokrinologie und personalisierte Medizin zu einem strukturierten Gesamtkonzept. Sie ersetzt keine fachärztliche Behandlung, sondern führt wirksame präventive und therapeutische Maßnahmen individuell zusammen.
Unterschied zwischen Anti-Aging-Medizin und Longevity-Medizin
Der Begriff Anti-Aging-Medizin umfasst unterschiedliche Maßnahmen, die altersbedingte Veränderungen verlangsamen oder deren Auswirkungen vermindern sollen. Die Longevity-Medizin richtet den Fokus stärker auf klinisch relevante Gesundheitsziele: die Vermeidung oder Verzögerung chronischer Erkrankungen, den Erhalt funktioneller Fähigkeiten und die Verlängerung der in Gesundheit verbrachten Lebenszeit.
Entscheidend ist nicht das Versprechen eines bestimmten Lebensalters, sondern die konsequente Beeinflussung nachweisbarer Risikofaktoren. Dazu gehören insbesondere arterielle Hypertonie, Fettstoffwechselstörungen, Diabetes mellitus, Adipositas, Rauchen, Bewegungsmangel, ungünstige Ernährung, Schlafstörungen, chronischer Stress und soziale Isolation [4-10, LL1-LL6].
Ziele der Longevity-Medizin
- Verlängerung der Gesundheitsspanne: Erhaltung von körperlicher Belastbarkeit, kognitiver Leistungsfähigkeit, emotionaler Stabilität und Selbstständigkeit.
- Prävention altersassoziierter Erkrankungen: Frühzeitige Reduktion des individuellen Risikos für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes mellitus, Osteoporose, Sarkopenie, Krebserkrankungen und neurodegenerative Erkrankungen.
- Erhalt der funktionellen Kapazität: Förderung von Ausdauer, Muskelkraft, Beweglichkeit, Gleichgewicht, Sinnesfunktionen und alltagsrelevanter Leistungsfähigkeit.
- Personalisierte Risikosteuerung: Anpassung der Diagnostik und Therapie an Lebensalter, biologisches Geschlecht, Vorerkrankungen, familiäre Belastung, Lebensstil, Medikation und persönliche Ziele.
- Frühzeitige Intervention: Behandlung klinisch relevanter Veränderungen, bevor irreversible Organ- oder Funktionsverluste entstehen.
Die biologischen Grundlagen des Alterns
Altern ist ein komplexer biologischer Prozess, der durch genetische Faktoren, Umweltbedingungen, Lebensstil, Erkrankungen und psychosoziale Einflüsse geprägt wird. Die moderne Alternsforschung beschreibt zwölf miteinander verbundene Kennzeichen des Alterns. Hierzu zählen unter anderem genomische Instabilität, Telomerverkürzung, epigenetische Veränderungen, Störungen der Proteinhomöostase, verminderte Autophagie, veränderte Nährstoffsensorik, mitochondriale Dysfunktion, zelluläre Seneszenz, Stammzellerschöpfung, chronische Entzündungsaktivität und Veränderungen des Mikrobioms [1].
Diese Mechanismen bilden einen wichtigen wissenschaftlichen Bezugsrahmen der Longevity-Forschung. Sie dürfen jedoch nicht unmittelbar mit klinisch etablierten Diagnosen oder bereits gesicherten Therapiezielen gleichgesetzt werden. Eine Veränderung eines einzelnen molekularen Signalwegs beweist weder eine Verlangsamung des menschlichen Alterns noch eine Verlängerung der Lebenszeit.
Die Epigenetik beschreibt regulierende Veränderungen der Genaktivität, ohne dass sich die zugrunde liegende DNA-Sequenz verändert. Ernährung, körperliche Aktivität, Tabakkonsum, Schlaf, Stress und weitere Umweltfaktoren können epigenetische Prozesse beeinflussen. Welche epigenetischen Veränderungen beim einzelnen Menschen langfristig klinisch relevant sind, wird weiterhin intensiv untersucht [1-3].
Die Longevity-Diagnostik
Eine evidenzbasierte Longevity-Diagnostik beginnt mit klinisch validierten Untersuchungen. Ihr Ziel besteht darin, behandelbare Risiken und frühe Funktionsverluste zu erkennen. Die Auswahl der Untersuchungen erfolgt individuell und nicht nach einem starren Standardprogramm.
- Medizinische Anamnese: Erfassung von Vorerkrankungen, familiären Risiken, Medikamenten, Ernährungsweise, körperlicher Aktivität, Schlaf, Genussmittelkonsum, Stressbelastung und sozialer Situation.
- Körperliche Untersuchung: Beurteilung von Blutdruck, Herzfrequenz, Körpergewicht, Taillenumfang, Körperzusammensetzung und klinischen Hinweisen auf Organ- oder Funktionsstörungen.
- Kardiometabolisches Risikoprofil: Untersuchung von Glucosestoffwechsel, Lipidstoffwechsel, Nierenfunktion und weiteren risikoadaptierten Laborparametern. Lipoprotein(a) sollte im Erwachsenenalter mindestens einmal bestimmt werden; Apolipoprotein B kann insbesondere bei komplexen Fettstoffwechselstörungen zusätzliche Informationen liefern [LL4-LL6].
- Körperliche Leistungsfähigkeit: Beurteilung von kardiorespiratorischer Fitness, Muskelkraft, Mobilität, Gleichgewicht und gegebenenfalls Ganggeschwindigkeit. Eine höhere kardiorespiratorische Fitness ist konsistent mit einem niedrigeren Morbiditäts- und Mortalitätsrisiko verbunden [6].
- Ernährungs- und Mikronährstoffstatus: Erfassung möglicher Versorgungslücken, eines erhöhten Bedarfs, eingeschränkter Resorption sowie medikamenten- oder krankheitsbedingter Veränderungen. Laboranalysen werden nach individueller Indikation ausgewählt.
- Schlafmedizinische Beurteilung: Erfassung von Schlafdauer, Schlafqualität, Schlafrhythmus, Tagesmüdigkeit, Insomnie und Hinweisen auf schlafbezogene Atmungsstörungen.
- Kognitive und psychosoziale Gesundheit: Beurteilung von Gedächtnis, Konzentration, Stimmung, Stressverarbeitung, sozialer Einbindung und persönlicher Lebenszufriedenheit.
- Alters- und risikoadaptierte Prävention: Einbeziehung empfohlener Krebsfrüherkennungsuntersuchungen, Impfungen sowie geschlechts- und organspezifischer Vorsorgemaßnahmen.
Biologisches Alter und Biomarker des Alterns
Biomarker des biologischen Alterns sollen Veränderungen erfassen, die über das kalendarische Alter hinausgehen. Untersucht werden unter anderem epigenetische Altersmodelle, Proteom-, Metabolom- und Transkriptomprofile, Entzündungsmarker, Organfunktionsparameter und digitale Messwerte [2, 3].
Diese Verfahren besitzen erhebliches wissenschaftliches Potenzial. Für die individuelle klinische Anwendung müssen jedoch analytische Genauigkeit, Reproduzierbarkeit, Vorhersagekraft und Veränderbarkeit durch wirksame Interventionen nachgewiesen sein. Epigenetische Uhren und vergleichbare Modelle sollten deshalb derzeit nur ergänzend und niemals als alleinige Grundlage für diagnostische oder therapeutische Entscheidungen eingesetzt werden [2, 3].
Vorrang haben weiterhin klinisch validierte Endpunkte wie Blutdruck, Lipid- und Glucosestoffwechsel, Körperzusammensetzung, kardiorespiratorische Fitness, Muskelkraft, Organfunktion, Lebensqualität und das Auftreten klinischer Erkrankungen.
Die evidenzbasierten Säulen der Longevity-Medizin
Körperliche Aktivität und Training
Regelmäßige körperliche Aktivität gehört zu den wirksamsten Maßnahmen zur Erhaltung der Gesundheitsspanne. Sie verbessert die kardiorespiratorische Fitness, Insulinsensitivität, Gefäßfunktion, Muskelkraft, Knochengesundheit, Mobilität und psychische Gesundheit. Eine hohe kardiorespiratorische Fitness ist in umfangreichen Metaanalysen konsistent mit einem niedrigeren Risiko für vorzeitige Mortalität und zahlreiche chronische Erkrankungen verbunden [6].
Für Erwachsene empfiehlt die Weltgesundheitsorganisation wöchentlich mindestens 150-300 Minuten aerobe Aktivität mittlerer Intensität oder 75-150 Minuten höherer Intensität. Muskelkräftigende Aktivitäten sollten an mindestens zwei Tagen pro Woche durchgeführt werden. Im höheren Lebensalter kommen funktionelles Training und Gleichgewichtstraining an mindestens drei Tagen pro Woche hinzu [LL1].
Krafttraining ist für die Prävention von Sarkopenie und funktionellem Abbau besonders relevant. Eine systematische Übersichtsarbeit und Metaanalyse zeigte eine Assoziation zwischen regelmäßigem Krafttraining und einem niedrigeren Gesamtmortalitätsrisiko [7]. Trainingsart, Belastungsintensität und Regeneration werden an Gesundheitszustand, Leistungsniveau und individuelle Zielsetzung angepasst.
Ernährungsmedizin
Eine gesundheitsfördernde Ernährung bildet eine wesentliche Grundlage der Longevity-Medizin. Im Vordergrund stehen Gemüse, Obst, Hülsenfrüchte, Vollkornprodukte, Nüsse, Samen, hochwertige pflanzliche Öle und bedarfsgerechte Proteinquellen. Stark verarbeitete Lebensmittel, zuckerhaltige Getränke, Transfettsäuren und ein hoher Anteil verarbeiteten Fleisches sollten begrenzt werden [5, LL2].
In einer großen prospektiven Untersuchung mit mehr als 100.000 Teilnehmern und einer Beobachtungsdauer von bis zu 30 Jahren waren verschiedene hochwertige, überwiegend pflanzenbetonte Ernährungsmuster mit einer höheren Wahrscheinlichkeit für gesundes Altern verbunden. Dabei wurden nicht nur chronische Erkrankungen, sondern auch körperliche, kognitive und psychische Funktionen berücksichtigt [5].
Im höheren Lebensalter ist eine ausreichende Energie- und Proteinzufuhr für den Erhalt der Muskelmasse besonders wichtig. Für ältere Erwachsene werden im Regelfall mindestens 1,0 Gramm Protein pro Kilogramm Körpergewicht und Tag empfohlen. Der individuelle Bedarf kann abhängig von körperlicher Aktivität, Ernährungszustand, Erkrankungen und Nierenfunktion höher oder niedriger liegen [LL7].
Mikronährstoffmedizin und bioaktive Substanzen
Eine bedarfsgerechte Versorgung mit Mikronährstoffen unterstützt zahlreiche Stoffwechsel-, Immun-, Nerven-, Muskel- und Knochenfunktionen. Bei nachgewiesenem Mangel, erhöhtem Bedarf, eingeschränkter Resorption oder einer durch Erkrankungen beziehungsweise Medikamente beeinträchtigten Versorgung ist eine gezielte Supplementierung ein sinnvoller Bestandteil der individualisierten Longevity-Medizin.
Je nach Ausgangssituation können unter anderem Vitamin D, Vitamin B12, Folsäure, Eisen, Jod, Zink, Selen, Calcium und Magnesium sowie Omega-3-Fettsäuren berücksichtigt werden. Auswahl, Dosierung und Therapiedauer richten sich nach Ernährungsanamnese, Laborbefunden, Erkrankungen, Medikation, Verträglichkeit und dem jeweiligen Behandlungsziel.
Auch bioaktive Nahrungsbestandteile wie Polyphenole, Curcumin, Resveratrol, Quercetin, Anthocyane, Epigallocatechingallat und Spermidin werden im Zusammenhang mit Entzündungsregulation, oxidativem Stress, Autophagie und zellulären Signalwegen untersucht. Ihre Verwendung sollte substanzspezifisch, indikationsbezogen und unter Berücksichtigung von Bioverfügbarkeit, Dosierung, Interaktionen und Sicherheit erfolgen. Eine Verlängerung der menschlichen Lebenszeit ist für einzelne dieser Substanzen bislang nicht durch belastbare klinische Langzeitendpunkte belegt.
Gesundes Körpergewicht und metabolische Gesundheit
Abdominale Adipositas, Insulinresistenz, arterielle Hypertonie und Fettstoffwechselstörungen erhöhen das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes mellitus, bestimmte Krebserkrankungen und funktionelle Einschränkungen. Ziel ist eine Verbesserung der Körperzusammensetzung mit Erhalt oder Aufbau der Muskelmasse – nicht lediglich eine möglichst starke Gewichtsreduktion.
Ernährungsumstellung, Ausdauer- und Krafttraining sowie eine strukturierte Verhaltensintervention bilden die Grundlage. Bei entsprechender medizinischer Indikation kann eine leitliniengerechte Pharmakotherapie der Adipositas oder des Diabetes mellitus das individuelle Gesamtkonzept ergänzen.
Kalorienrestriktion und intermittierendes Fasten
Eine maßvolle Energiebegrenzung kann bei Übergewicht und metabolischen Risikofaktoren sinnvoll sein. Intermittierende Fastenverfahren und eine kontinuierliche Energiebegrenzung führen nach einer aktuellen Netzwerk-Metaanalyse insgesamt zu vergleichbaren Verbesserungen von Körpergewicht und kardiometabolischen Risikofaktoren. Das alternierende Fasten zeigte gegenüber der kontinuierlichen Energiebegrenzung lediglich einen kleinen zusätzlichen kurzfristigen Gewichtseffekt [11].
In der randomisierten CALERIE-Studie führte eine zweijährige Kalorienrestriktion bei nicht adipösen Erwachsenen zu einer geringfügigen Verlangsamung eines DNA-Methylierungsmarkers der Alterungsrate. Andere untersuchte epigenetische Altersmaße veränderten sich nicht signifikant. Aussagen über eine Verlängerung der menschlichen Lebenszeit lassen sich daraus nicht ableiten [12].
Fasten- und Energierestriktionskonzepte werden daher individuell nach Stoffwechsellage, Körperzusammensetzung, Muskelmasse, Ernährungsstatus und Medikation ausgewählt. Bei Untergewicht, Frailty, Essstörungen, Schwangerschaft, Stillzeit oder bestimmten chronischen Erkrankungen sind restriktive Verfahren nicht oder nur unter enger ärztlicher Kontrolle geeignet.
Schlaf und circadiane Gesundheit
Regelmäßiger, ausreichender und erholsamer Schlaf unterstützt Stoffwechsel, Immunfunktion, Blutdruckregulation, Gedächtnis und psychische Gesundheit. In einer prospektiven Kohortenstudie war ein regelmäßiger Schlaf-Wach-Rhythmus stärker mit einem niedrigeren Mortalitätsrisiko verbunden als die Schlafdauer allein [8].
Schlafstörungen wie Insomnie, Schlafapnoe oder Restless-Legs-Syndrom sollten gezielt diagnostiziert und behandelt werden. Eine stabile Schlafens- und Aufstehzeit, ausreichende Tageslichtexposition, körperliche Aktivität und eine an den circadianen Rhythmus angepasste Tagesstruktur können die Schlafqualität fördern.
Stressregulation und soziale Gesundheit
Chronische psychosoziale Belastungen können Schlaf, Ernährungsverhalten, Blutdruck, Stoffwechsel und psychische Gesundheit beeinträchtigen. Geeignete Maßnahmen umfassen unter anderem strukturierte Entspannungsverfahren, Achtsamkeitsverfahren, psychotherapeutische Unterstützung, Atemtraining, Yoga und progressive Muskelrelaxation.
Soziale Beziehungen sind ein eigenständiger Bestandteil gesunden Alterns. Eine Metaanalyse prospektiver Kohortenstudien zeigte für sozial isolierte Menschen ein um etwa ein Drittel erhöhtes Gesamtmortalitätsrisiko [10]. Der Aufbau und Erhalt tragfähiger sozialer Beziehungen, gesellschaftlicher Teilhabe und persönlich bedeutsamer Aktivitäten wird deshalb in das Longevity-Konzept einbezogen.
Tabak und Alkohol
Der Verzicht auf Tabakkonsum gehört zu den wirksamsten Maßnahmen zur Verlängerung der Gesundheitsspanne. Eine Metaanalyse mit rund 1,5 Millionen Erwachsenen zeigte, dass ein Rauchstopp in jedem Lebensalter mit einer niedrigeren Mortalität verbunden war. Erste deutliche Vorteile waren bereits wenige Jahre nach Beendigung des Rauchens erkennbar [9].
Alkohol sollte nicht zur Gesundheitsförderung oder Verlängerung der Lebenszeit empfohlen werden. Für die Longevity-Medizin gilt: Je geringer der Konsum, desto niedriger ist im Allgemeinen die alkoholbedingte Krankheitslast. Bei individuellen Risiken oder Vorerkrankungen ist vollständige Abstinenz angezeigt.
Medizinische Prävention und Pharmakotherapie
Die konsequente Behandlung gesicherter Risikofaktoren ist ein zentraler Bestandteil der Longevity-Medizin. Dazu gehören insbesondere die leitliniengerechte Einstellung des Blutdrucks, die Senkung atherogener Lipoproteine, die Behandlung von Diabetes mellitus und Adipositas sowie die Prävention thrombotischer, osteoporotischer und weiterer altersassoziierter Komplikationen [LL4-LL6].
Arzneimittel werden nicht allein aufgrund eines höheren Lebensalters oder mit dem unspezifischen Ziel einer Lebensverlängerung eingesetzt. Grundlage sind eine klinische Indikation, ein günstiges Nutzen-Risiko-Verhältnis und ein klar definiertes Therapieziel.
Hormondiagnostik und Hormonsubstitution
Hormonelle Veränderungen können Gesundheit, Körperzusammensetzung, Knochenstoffwechsel, Sexualfunktion, Schlaf und Lebensqualität beeinflussen. Eine Hormondiagnostik erfolgt bei klinischem Verdacht sowie unter Berücksichtigung von Beschwerden, Lebensphase, Begleiterkrankungen und Medikation.
Eine Hormonsubstitution ist sinnvoll, wenn eine gesicherte endokrinologische oder gynäkologische Indikation besteht und der erwartete Nutzen die individuellen Risiken überwiegt. Das Therapieziel besteht in der Behandlung definierter Beschwerden oder Funktionsstörungen – nicht in der unkritischen Wiederherstellung vermeintlich „jugendlicher“ Hormonwerte.
Dies gilt gleichermaßen für eine menopausale Hormontherapie, eine Testosterontherapie bei gesichertem Hypogonadismus sowie weitere endokrinologische Behandlungen. Wachstumshormon, Dehydroepiandrosteron und andere Hormone sind ohne gesicherte Indikation keine allgemein empfohlenen Longevity-Therapien.
Innovative Ansätze der Gerowissenschaft
Wirkstoffe wie Metformin, Inhibitoren des mechanistic Target of Rapamycin, Senolytika sowie Vorstufen von Nicotinamid-Adenin-Dinukleotid werden hinsichtlich möglicher Wirkungen auf altersassoziierte Signalwege untersucht. Präklinische Befunde und Veränderungen einzelner Biomarker sind wissenschaftlich interessant, ersetzen jedoch keine klinischen Endpunkte wie geringere Erkrankungshäufigkeit, erhaltene Funktion oder niedrigere Mortalität [1-3].
Der Einsatz solcher Substanzen ausschließlich zur Verlängerung der Lebenszeit gesunder Menschen gehört derzeit nicht zur klinischen Standardtherapie. Etablierte Medikamente wie Metformin werden im Rahmen ihrer zugelassenen beziehungsweise fachlich begründeten Indikationen eingesetzt. Neue gerowissenschaftliche Interventionen sollten vorzugsweise innerhalb kontrollierter klinischer Studien untersucht werden.
Der individuelle Longevity-Plan der DKP
Ein wirksames Longevity-Konzept orientiert sich nicht an einem einheitlichen Programm, sondern an den persönlichen Ausgangsbedingungen und Gesundheitszielen. Die Betreuung an der Deutschen Klinik für Prävention umfasst:
- Medizinische Bestandsaufnahme: Erfassung von Erkrankungen, Risiken, Lebensstil, funktioneller Leistungsfähigkeit und bisherigen Präventionsmaßnahmen.
- Individuelle Zieldefinition: Festlegung konkreter Ziele für Stoffwechsel, Körperzusammensetzung, Fitness, Schlaf, psychische Gesundheit und Lebensqualität.
- Personalisierter Maßnahmenplan: Verbindung von Ernährungsmedizin, Mikronährstoffmedizin, Bewegung, Schlafmedizin, Stressregulation und gegebenenfalls Pharmako- oder Hormontherapie.
- Verlaufskontrolle: Überprüfung klinisch relevanter Parameter und Anpassung der Maßnahmen an Fortschritte, Lebenssituation und neue medizinische Erkenntnisse.
- Langfristige Begleitung: Nachhaltige Integration gesundheitsfördernder Maßnahmen in den Alltag mit realistischen, überprüfbaren und gemeinsam festgelegten Zielen.
Fazit zur Longevity-Medizin
Longevity-Medizin bedeutet evidenzbasierte Prävention mit langfristiger Perspektive. Die gegenwärtig am besten belegten Maßnahmen sind regelmäßige körperliche Aktivität, Erhalt der Muskelmasse und kardiorespiratorischen Fitness, eine hochwertige bedarfsgerechte Ernährung, gezielte Mikronährstoffversorgung, erholsamer Schlaf, Nichtrauchen, soziale Einbindung sowie die konsequente Behandlung kardiometabolischer und weiterer medizinischer Risiken.
Molekulare Altersmarker und neue gerowissenschaftliche Interventionen erweitern die Forschung, müssen aber nach denselben wissenschaftlichen Maßstäben bewertet werden wie andere diagnostische und therapeutische Verfahren. Entscheidend ist nicht ein einzelner Test oder Wirkstoff, sondern ein personalisiertes Gesamtkonzept, das Gesundheit, Funktion und Lebensqualität langfristig erhält.
Ihr Weg zu mehr gesunden Lebensjahren
Die Deutsche Klinik für Prävention verbindet moderne Diagnostik mit Ernährungsmedizin, Mikronährstoffmedizin, Bewegungsmedizin, Schlafmedizin, Stressregulation und individuell indizierten medizinischen Therapien. Auf dieser Grundlage entwickeln wir Ihren persönlichen Longevity-Plan – mit klaren Zielen, nachvollziehbaren Maßnahmen und regelmäßiger Verlaufskontrolle.
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